Mittelrheinbrücke

Mittelrheinbrücke ist der Name einer geplanten Rheinüberquerung zwischen St. Goar und St. Goarshausen. 

Planungen für diese Brücke existierten schon seit mehreren Jahrzehnten, denn auf einer Strecke von 90 Kilometern zwischen Koblenz und Mainz gibt es keine Brücke. Zwar wird an 5 verschiedenen Stellen ein Fährbetrieb angeboten, dieser wird jedoch nicht 24 Stunden vorgehalten, so dass die Anwohner insbesondere in der Nacht riesige Umwege in Kauf nehmen müssen, wenn sie auf das andere Rheinufer gelangen wollen. 

Da der Brückenbau im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal nahe der Loreley vorgesehen ist, ist die Planung einer solchen Querung umstritten. Nachdem die UNESCO am 29. Juli 2010 bekannt gegeben hat, dass der Bau einer Brücke welterbeverträglich ist, kann mit den konkreten Planungen begonnen werden. Die UNESCO hat dazu eine Umweltverträglichkeitsprüfung und eine Verkehrsstudie in Auftrag gegeben. 

Würde diese Brücke gebaut, dann würden jedoch nicht nur die Anwohner entlastet - mit dem Brückenschlag wird zugleich ein natürliches Hindernis für eine neue Ost-West-Frachtverbindung überwunden. Denn auch der Verkehr, der über die zukünftig vierspurig ausgebaute B49 aus Richtung Giessen, dem Anschluss an die A5, kommt, muss derzeit den Umweg über Koblenz nehmen, um auf die linke Rheinseite und weiter zum Flughafen Hahn oder nach Luxemburg zu kommen. 

Dass der immens teure Brückenschlag oder die noch teurere Tunnelalternative nicht allein der Entlastung des lokalen Verkehrs dienen kann, zeigt schon die geringe Auslastung des Verkehrsnetzes im Mittelrheintal. Eine Kleine Anfrage an den Landtag des Landes Rheinland-Pfalz aus dem Jahr 2005 nennt als Höchstaufkommen des lokalen Verkehrs lediglich 5.700 Fahrzeuge in 24 Stunden. Angesichts dieses geringen Verkehrsaufkommens muss eine Kosten-Nutzen-Rechnung für eine aufwändige Rheinüberquerung negativ ausfallen, zumal das linksrheinische Gebiet bereits vollumfänglich durch die A61 erschlossen und an die Zentren Mainz und Koblenz angebunden ist. 

Die Befürworter der Rheinbrücke halten dagegen, dass zwar die linke Rheinseite gut erschlossen ist, es auf der rechten Seite aber nur eine Anbindung an das Fernstrassennetz über die B274 zur A3 gibt, die aber wegen schlechter Erreichbarkeit und Zustand nur geringe Akzeptanz findet. Die Brücke würde daher hauptsächlich dem lokalen Verkehr von der rechten auf die linke Rheinseite dienen. Da von den Benutzern der neue Brücke jedoch eine Maut erhoben werden soll, kann erwartet werden, dass sich die lokale Nutzung in Grenzen halten wird. 

Das gesamte Bauvorhaben macht jedoch dann wirtschaftlichen Sinn, wenn über eine Verbindung St.Goar - Limburg eine neue Ost-West-Verbindung, insbesondere auch für den Schwerverkehr, entsteht. Die Idee einer solchen Verbindung, die mit Hilfe bestehender Bundesstrassen und neuen Ortsumgehungen hergestellt werden kann, wurde lange von der Politik entschieden verneint. Mittlerweile gibt es aber auch deutliche, öffentliche Forderungen nach dieser Ost-West-Verbindung.

Ost-West-Trasse

Rheintal wird zum Tal der Tränen

Die Entscheidung der neuen Landesregierung gegen die Querung stürzt große Teile der Region in Depression. (Rhein-Zeitung 03.05.0211)

Das Aus für die Mittelrheinbrücke soll nicht endgültig sein

Roger Lewerenz, neuer Minister für Infrastruktur in Rheinland-Pfalz, ist sich sicher, dass das Thema spätestens im Wahljahr 2016 wieder auf die Tagesordnung kommt. (Rheinzeitung 18.05.2011)

Zündstoff an Rhein und Aar

Zwei -miteinander zusammenhängende- Verkehrsprojekte sorgen derzeit im nördlichen Rheinland-Pfalz für Diskussionen. Sowohl um die Mittelrheinbrücke als auch die Aartal-Umgehung wird heftig gestritten, die geschätzten Kosten laufen aus dem Ruder und die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen wird bezweifelt. (Rheinzeitung 29.12.2010)

SPD will Rheinseiten verbinden

Die SPD-Kreistagsfraktionen des Rhein-Lahn-Kreises und des Rhein-Hunsrück-Kreises befürworten den Bau der Mittelrheinbrücke. Ohne die geplante Brücke seien Zukunftsaufgaben wie demografischer Wandel und Daseinssicherung nicht zu bewältigen, die Brücke soll zugleich aber keine Verkehrsachse von bundesweiter Bedeutung werden. (Rheinzeitung 27.12.2010)

Zweifel an Verkehrsprognose

Die Landesregierung Rheinland-Pfalz schätzt, dass die Mittelrheinbrücke zu keinen zusätzlichen Verkehrsbelastungen in den anliegenden Ortschaften führen wird. Die Brücke sei vielmehr für die Verkehrsströme von der B 274 (Nastätten nach St. Goarshausen) zur B9 und weiter nach Koblenz von Bedeutung. Diese Einschätzung wirft die Frage auf, ob die Brücke nicht doch für eine neue Ost-West-Achse gedacht ist? (Rheinzeitung 17.12.2010)

Rheinbrücke: Grosse Freude

Das Welterbe-Komittee der Unesco hat die Pläne der Landesregierung für einen Brückenbau gebilligt. Die Reaktionen in der Regionen sind gemischt. (Rheinzeitung 30.07.2010)

Brückenschlag am Rhein im dritten Anlauf

Ende Juli befasst sich das Welterbe-Komitee der Unesco zum dritten Mal seit 2008 mit der lange geplanten Rheinbrücke zwischen St. Goarshausen und St. Goar. Auf dem Tisch liegt eine ablehnende Stellungnahme vom Internationalen Rat für Denkmalpflege, während der Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz einen Ausbau fordert. Ob und wievele Fähren durch den Brückenschlag eingespart werden können, ist zwischen Befürwortern und Gegnern umstritten. (Rheinzeitung 08.07.2010)